Linsen vs Spiegel

Linsenfernrohre Refraktoren

Die ersten Teleskope wurden aus Linsen gebaut. Lichtstrahlen werden durch das Glas gebrochen. Aufgrund der Dispersion haben rotes und blaues Licht unterschiedliche Brennweiten. Diese Farbfehler werden durch Achromaten und Apochromaten korrigiert.

Das Objektiv eines Achromaten wird aus zwei Linsen aus Kronglas und Flintglas zusammengesetzt. Durch die unterschiedlichen Brechungsindizes wird die chromatische Aberration korrigiert.

Für noch höhere Ansprüche wurden Apochromaten mit wenigstens drei Linsen im Objektiv entwickelt.

Übersicht

Refraktoren, Reflektoren und katadioptrische Teleskope

Katadioptrische Teleskope sind Spiegelteleskope, die auch Linsen verwenden. Dadurch ist ihre Bauweise äußerst kompakt mit sehr geringer Länge.

Simulationen:


Spiegelteleskope Reflektoren

Im Gegensatz zu Linsenfernrohren gibt es bei Spiegelteleskopen keine Farbfehler.

Newton- und Cassegrain-Teleskope sind die beiden Grundformen der Spiegelteleskope. Der konkave Hauptspiegel fokussiert die Lichtstrahlen. Newton benutzte einen sphärischen Hauptspiegel. Jedoch sammelt dieser das Licht nicht in einem Punkt, sondern entlang der Katakaustik. Diese sphärische Aberration wird durch einen parabolischen Spiegel gelöst.

Der Fangspiegel lenkt die Lichtstrahlen aus dem Tubus heraus. Jedoch verdeckt er teilweise das einfallende Licht. Dadurch diese Obstruktion verliert das Spiegelteleskop an Kontrast.

Danksagung Christof Plicht

Vorgeschichte

Astrofotografie war in meiner Jugend in den 80ern mein leidenschaftliches Hobby.

Seit 2022 verfolge ich mein Projekt Wandern trotz Gehbehinderung. Dabei erwandern wir dank eines Klappstuhls Aussichtstürme im Weser-Leine-Bergland. So lernte ich den Gelben Turm in Hildesheim kennen. Obenauf befindet sich eine Volkssternwarte. Nachfolgend eine Aufnahme vom Spiegelteleskop.

Gelber Turm Hildesheim

Cassegrain-Teleskop mit Sucherfernrohren


Christof Plicht

Gleich zweimal ermöglichte uns Christof Plicht das Besteigen des Gelben Turms samt Beobachtungen von Venus, Saturn und den Sonnenflecken. Damit entfachte er in mir mein Jugendhobby von neuem. An einen Spruch erinnere ich mich immer wieder:

Jedes Fernrohr hat seinen Sternenhimmel.

Für sein unnachahmliches Engagement möchte ich mich bei Herrn Plicht posthum nochmals ganz herzlich bedanken. Ein Vorbild.

Technik

Bauweisen Tabellarische Übersicht

Bauweisen

Die wichtigsten Typen an Spiegelteleskopen:

  • Newton
  • Gregory
  • Cassegrain
  • Richey-Chrétien

Gregory-Teleskop

Fangspiegel hinter dem Primärfokus:

Spiegelteleskop mit optischer Achse


Tabellarische Übersicht

Die folgende Tabelle bietet einen chronologischen Überblick über die wesentlichen Schritte der Entwicklung von Teleskopen.

Objektive & Okulare

 

Objektive Schnelle Teleskope

Eine wichtige Kenngröße eines Teleskops ist der Durchmesser des Objektivs. Je größer der Durchmesser, desto mehr Licht wird eingefangen, umso lichtschwächere Himmelsobjekte können erkannt werden. Diese Kenngröße heißt Öffnungsverhältnis F:

F = Brennweite f / Durchmesser D

Für die Beobachtung von Planeten benötigt man eine große Vergrößerung und damit eine große Brennweite. Ein Teleskop mit einer Brennweite f = 2250 mm und einem Durchmesser D = 150 mm besitzt ein Öffnungsverhältnis

2250/150 = F/15

Für die Beobachtung des großflächigen Orionnebels benötigt man eine geringe Vergrößerung. Ein Teleskop mit 760 mm Brennweite bei einer Öffnung von 152 mm besitzt ein Öffnungsverhältnis

760/152 = F/5

Dies bedeutet, dass die Verschlusszeit der installierten Kamera kürzer gewählt werden kann. Daher ist es ein sogenanntes schnelles Teleskop.

Okulare homofokal

Das Objektiv eines Teleskops ist mit seiner Brennweite f eine konstante Größe. Das austauschbare Okular hingegen definiert mit seiner charakteristischen Brennweite f die Vergrößerung V des Teleskops:

V = fObjektiv / fOkular

Wechselt man das Okular, so muss aufgrund der neuen Brennweite die Schärfe des Bildes naturgemäß wieder neu einstellt werden.

Nun gibt es sogenannte homofokale Okulare. Sie gehören zu einer Serie von Okularen, bei denen der Fokussieraufwand minimal ist. Diese Serien haben i. A. dasselbe scheinbare Gesichtsfeld.

Das geringe Nachfokussieren ist besonders bei Beobachtungen von Planeten von großem Nutzen. In diesem Fall ist die Vergrößerung sehr groß und der Aufbau sehr sensibel. Da wackelt das Teleskop mal schnell, wenn man die Schärfe nachjustiert. Gleiches gilt auch bei der Beobachtung einzelner Mondkrater oder beim Auflösen von Doppelsternen.

Synonym zu homofokal wird auch der Begriff parfokal verwandt.

Fotografie fokal, afokal, Projektion

Fotografie

Bei der Astro-Fotografie unterscheidet man die Kamera mit und ohne Objektiv, und das Teleskop mit und ohne Okular:


Skizzen Fotografie

Teleskop mit Kamera

Obige Skizzen demonstrieren die fokale und afokale Fotografie wie auch die Okular-Projektion.

Bei der Okular-Projektion ist anzumerken, dass die Gegenstandsweite g immer etwas größer ist als die Brennweite des Okulars. Genau hier lässt sich die Vergößerung stufenlos variieren. Zum anderen wird diese größer bei zunehmender Bildweite a. Für das gesamte System gilt die effektive Brennweite:

feff = fOkular · a/g

Mit der Linsengleichung 1/a+1/g = 1/f erhält man:

feff = fOkular · (a/fOkular−1)

Vignettierung

Beim Variieren der Abstände können Abbildungsfehler auftreten. Vignettierung bedeutet eine sichtbare Randabdunkelung auf dem Bild. Um dieses Phänomen zu vermeiden, sollte das Okular eine längere Brennweite besitzen, z.B. ab 25 mm. Ferner sollte es eine möglichst große Eintrittsöffnung aufweisen.

Filter ND, Pol, CLS/UHC

Sonnenfilter

Richtet man das Teleskop auf die Sonne, MUSS vorher ein Sonnenfilter beim Einlass des Lichts ins Teleskop befestigt werden:

Gefahr der Erblindung

Bei einer gewissenhaften Handhabung sollte man sogar den Sucher abbauen.

Zu meiner Jugendzeit gab es einen Sonnenfilter für das Okular. Das gebündelte Sonnenlicht wird dabei auf diesen fokussiert. Der Filter droht aufgrund der Hitze zu platzen kann.

Graufilter Mond, Planeten

Der Mond reflektiert das Sonnenlicht. Im Teleskop ist seine Strahlkraft so stark, dass man das Bild abdunkel muss. Sogar Jupiter und Saturn überstrahlen ihre Strukturen. Am nahliegendsten ist der Einsatz von Graufiltern.

Die Bezeichnung ND steht für Neutral Density und bezeichnet die optische Dichte. Je größer ND ist, desto weniger Licht kann den Filter passieren, d. h. die Transmission T nimmt ab. Nach jeder Stufe der Verdopplung des Filterfaktors x verdoppelt sich die erforderliche Belichtungszeit.

Graufilter Tabelle für ND

Optische Dichte

Polarisationsfilter Abdunkelung

Ein variabler Polarisationsfilter ist neben den Graufiltern eine weitere Möglichkeit, die Helligkeit zu mindern. Dieser besteht aus zwei einzelnen Polfiltern, die man zueinander verdrehen kann. Nach dem Passieren des ersten Polfilters schwingt das Licht nur noch in einer Richtung. Der zweite Polfilter bestimmt dann kontinuierlich den Durchlass des Lichts, je nach Stellung.

Komfortabler sind zwei Single-Polarisationsfilter, die im Strahlengang voneinander getrennt eingebaut werden. Der letzte wird direkt ins Okular geschraubt. Durch Drehen wird die Helligkeit variiert, ohne dass das Okular herausgenommen werden muss. Eine physikalische Visualisierung zur Polarisation befindet sich beim Thema Fototechnik.

CLS/UHC Emissionslinien

Emissionsnebel emittieren Wellen mit charakteristischen Wellenlängen. Dank von Filtern kann man nur diese ins Okular passieren lassen, während alle anderen Wellenlängen blockiert werden. Somit wird der Kontrast erhöht: Der Hintergrund wird schwärzer, während die Emissionsnebel sich stärker abheben.

In einer Großstadt mit viel Lichtverschmutzung wird die Beleuchtung teilweise weggefilter. Die zwei geläufigsten Nebelfilter sind:

Bedeutung
CLS City Light Suppression
Breitbandfilter
UHC Ultra High Contrast
Schmalbandfilter

Charakterisierung Filter, Linien

Bei Breitbandfiltern ist der Lichtdurchschlupf breiter als bei Schmalbandfiltern. Solche Filter können mehrere Fenster aufweisen. Bei Linienfiltern wird nur eine Wellenlänge durchgelassen. Hierbei wird die Durchlassbreite von ein paar wenigen Nanometern (nm) angegeben.

Ionen λ
Wasserstoff H-α
H-β
656,3 nm
486,1 nm
Sauerstoff O-III_1
O-III_2
495,9 nm
500,7 nm
Schwefel S-II_1
S-II_2
671,7 nm
673,1 nm
Stickstoff N-II_1
N-II_2
654,8 nm
658,3 nm

Farb-Filter

Mit roten, orangenen, gelben, grünen, blauen und violetten Filtern kann man z. B. die Bänderstruktur auf Jupiter und Saturn kontrastreichen machen, oder die Polkappen auf dem Mars.

Glossar Kleine Auswahl

Okulare Gesichtsfeld


Okulare Akronyme


Fachausdrücke Englisch


Interaktive Visualisierungen

Linsengleichung Abbildungsgesetz

Abbildungsgleichung

Für eine Sammellinse gilt folgende Linsengleichung:

1/g + 1/b = 1/f

Die nur positiv definierten Kenngrößen lauten:

  • g = Gegenstandsweite
  • b = Bildweite reelles Bild
  • f = Brennweite

Die Herleitung der Linsengleichung befindet sich im Backstage Mathematik. Die Vergrößerung V einer Linse ist das Verhältnis der Bildhöhe B zur Gegenstandshöhe G, oder den Strahlensatz angewandt das Verhältnis der Weiten:

V = B/G = b/g

Für eine Lupe bzw. Mikroskop gilt V>1.

Grafik Simulation

Einstellungen Optionen

Speicherung Download

Grafik: linsengleichung.png

Hintergrund

Vergrößerung V:
Brennweite f:
Bildweite b:
Gegenstandsweite g:

Erläuterungen Grenzbetrachtung

Die Brennweite f der Sammellinse ist gegeben. Die Gegenstandsweite g wird variiert. Die Bildweite b wird nach Umstellung der Linsengleichung berechnet:

b(g) = g·f / (gf)

Bei einer sehr großen Gegenstandsweite g entspricht die Bildweite b der Brennweite f:

lim b(g) = f
g → ∞

Beweis: Bei der Bildung des Grenzwerts divergieren Zähler und Nenner. Nach dem Satz von de L'Hospital können dann beide getrennt voneinander nach g differenziert werden.

f / (1−0) = f

1) Transparenz Optionen

Transparenz:

2) Größe Radius, Länge

Radius:
Länge:

3) Drehen hor, ver

Horizontal:
Vertikal:

Strahlengang Kepler-Teleskop

Kepler-Teleskop

Guckt man in seinem Leben erstmals durch ein Linsenteleskop, wird man sich stark wundern: Widererwartend steht das Bild auf dem Kopf.

Das Objektiv ist eine Sammellinse. Diese bündelt das einfallende Licht. Die Brennweite f1 ist durch die Wahl des Teleskops festgelegt. Das Okular hingegen kann ausgetauscht werden. Mit seiner Brennweite f2 legt man letztendlich die Vergrößerung des Teleskops fest.

Praxis

Beobachtet man Objekte, die hoch am Himmel sind, zeigt das Teleskop steil nach oben. Damit man sich den Hals nicht verrenkt, fügt man einen Zenitspiegel vor das Okular ein. Dadurch steht das Bild wieder aufrecht, aber seitenverkehrt. Ein Amici-Prisma sorgt für die gewohnte Orientierung. Dies ist bei Naturbeobachtungen wie z. B. Vögeln unverzichtbar.

Bei Feldstechern wird ebenso ein Umkehrprisma verwandt. Im Falle eines Porroprismas, bestehend aus zwei Halbwürfelprismen, wird das Bild gleich viermal gespiegelt. Es ist also nicht selbstverständlich, dass die Ansicht durch eine Optik aufrecht und seitenrichtig erscheint.

Grafik Simulation

Einstellungen Optionen

Speicherung Download

Grafik: strahlengang.png

Hintergrund

Aufbau:
Vergrößerung:
Brennweite Objektiv:
Brennweite Okular:

1) Transparenz Optionen

Transparenz:

2) Größe Radius, Länge

Radius:
Länge:

3) Drehen hor, ver

Horizontal:
Vertikal:

Montierung äquatorial

Äquatoriale Montierung

Eine azimutale Montierung besteht aus einer horizontalen und vertikalen Achse. Diese Montierung hat den Nachteil, dass bei der Nachführung der Himmelsobjekte zwei Achsen nachgeführt werden müssen.

Bei der äquatorialen Montierung hingegen zeigt eine Achse zum Polarstern. Somit ist diese Achse parallel zur Erdachse, um die sich die Erde dreht. Folglich muss nur die Rektaszension nachgeführt werden. Dies erfolgt manuell oder mittels eines Antriebmotors.

Der Winkel Rektaszension wird aufgrund der Erdrotation in Stunden und Minuten angegeben, der vertikale Winkel Deklination hingegen in Grad und Bogenminuten. Er entspricht dem Abstand vom Himmelsäquator.

Grafik Simulation

Einstellungen Optionen

Speicherung Download

Grafik: strahlengang.png

Hintergrund

Rektaszension α:
Deklination δ:
Geografische Breite φ:

Drehen hor, ver

Horizontal:
Vertikal:
Bilder

Bilder Mond

Mond Schatten

Fokale Fotografie

Albedo beschreibt die Rückstrahlfähigkeit des Sonnenlichts. Für den Mond beträgt sie 0,12 = 12%.

Mond Krater

Fokale Fotografie

Links oben der Krater Heinzel mit Mee. Rechts Tycho, darunter der Krater Clavius mit Rutherford.

Bilder Galileische Monde

Belichtungen Serie

Fokale Fotografie

Wie groß ist die maximale Belichtungszeit bei 1520 mm Brennweite, ohne dass die Objekte einen Strich bilden?

Galileische Monde 0,5 s

Fokale Fotografie

Bei 1520 mm Brennweite sollte die Belichtungszeit unter einer Sekunde liegen, damit die Objekte nicht als Strich abgebildet werden.

Informationen Astro

Die Galilei-Monde von links nach rechts:

Mond Helligkeit
Callisto 5,72 mag
Europa 5,44 mag
Io 5,12 mag
Ganymed 4,76 mag
Jupiter: −2,47 mag
Ø 44,75″

 

Okular-Projektion Smartphone

Okular-Projektion

Mit dem Smartphone durch das Okular fotografiert.

Informationen Astro

Die Galilei-Monde von links nach rechts,
links Callisto über Ganymed:

Mond Helligkeit
Callisto 5,79 mag
Ganymed 4,83 mag
Io 5,19 mag
Europa 5,52 mag
Jupiter: −2,38 mag
Ø 43,23″

 

www.harald-blazy.de/
astro/teleskope.html

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